Weil es gut tut.
  • Eine Ode an die Frühjahresmüdigkeit

    Warum?
    Jeder kennt sie, dennoch mag sie keiner – Die Frühjahresmüdigkeit. Die Frage ist nur, warum eigentlich? 
     
    Sicher ist jedenfalls, Wikipedia ist nicht ihr größter Freund. Sie bezeichnet unsere aprilfrische Freundin zumindest folgendermaßen:
     
    „Unter der Frühjahresmüdigkeit versteht man eine verringerte Leistungsbereitschaft und Mattigkeit, die viele Menschen im Frühling erleben. Es handelt sich hierbei um keine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern um eine durch den Jahreszeitenwechsel hervorgerufene Erscheinung.“ 
     
    Klar, man kann immer vom halbleeren Glas sprechen. 
    Weil das aber nicht unsere Art ist, beleuchten wir die Frühjahresmüdigkeit oder wie ich sie nenne (weil meine Kollegen nicht über mein albernes Wortspiel gelacht haben zieh ich es erst recht durch) Frühdigkeit einfach mal von einer anderen Seite:
     
    Gemütlichkeit:
    Kaum einer weiß es, aber die Frühjahresmüdigkeit ist der Gemütlichkeit uneheliche Schwester. 
     

    Source: bit.ly via S. on Pinterest

     

    Wow, ein Paukenschlag.

     
    Jeder liebt sie, die Gemütlichkeit. Die Bayern singen ihr auf jedem Bierfest dutzende von Liebeshymnen und die fröhlichen Gäste stoßen euphorisch auf sie an. 
     
    Die Gemütlichkeit ist also den ganzen Sommer irgendwo am Feiern. Meist sternhagelvoll unter der Bierbank anzutreffen, schläft sie zuweilen in ihrem eigenen Erbrochenen ein. 
     

    Dennoch wird sie während der Woche auf Pärchen-Sofas in ganz Deutschland wohlig in den Schlaf geknuddelt. Was für ein Leben…
     
    So leicht hat es die Frühdigkeit leider nicht.
    Als uneheliche Tochter von Vater Geruhsamkeit entstand sie aus dessen kurzer aber heftiger Affäre mit Mutter Migräne (die später aus diesem Grund dem Beischlaf komplett entsagt hat). 
     
    Allein bei ihrer nörgelnden Mutter aufgewachsen wurde sie (aus gesundheitlichen Gründen) leider nie zu Parties gefahren und musste unter den ständigen Launen ihrer alkoholkranken Mutter leiden.
     
    In der Schule war ihre Aufmerksamkeitsspanne zu klein für einen guten Abschluss, von Mitschülern wurde sie während des Schlafes immer wieder mit Edding angemalt, manchmal nur mit Smileys, oft aber auch mit diversen primären Geschlechtsmerkmalen oder einem Hitler-Bärtchen mitten im Gesicht.
     
    Müdi liebt Völli
    Später wurde es auch nicht besser, denn die „immermüde Müdi“ (wie Freunde sie nennen) hielt es nie lange mit jemanden aus. Von ihrer Mutter konnte sie weder Tipps zum richtigen Umgang mit Männern einholen, noch Kochen lernen.
     
    Irgendwann flüchtete sie in eine kurze Romanze mit Völli Völlegefühl. Dieser suchte jedoch das Weite, als sie bei einem Bankett von Burger King – just bei Völlis Rede – auf dem Tisch einschlief und sich schnarchend-sabbernd auf einer Fett-Kerze zur Ruhe legte.
     
    Ihr damit einhergehender Verlust der Haarpracht machte sie auch optisch hinreichend unattraktiv.
     
    Selbst meine Kollegen… 
    …versuchen sie schlecht zu machen und denken sich verrückte Spielchen aus, um ihr entgegen zu wirken:


     
     
    Traurig aber wahr… 
    Ja – ich denke oft an die arme Frühdigkeit, wie sie nun in ihrem Kellerwohnungs-Futtonbett liegt und sich den kahlen Kopf mit Feuchtigkeitscreme einreibt, bevor sie der Schlaf wieder in die bedingungslose Ohnmacht ihres sozial abgegrenzten Lebens reißt. 
     
    Warum ich sie trotzdem mag
    Und verdammt nochmal ja – ich mag sie trotzdem! Vielleicht macht sie mich müde, träge, und verringert meine Produktivität, aber irgendwie ist sie doch auch wohlig wärmend, lieblich einlullend und bietet eine gesunde Ausrede, warum man es noch nicht zur Top-Sommerfigur geschafft hat.
     
    Ich mag sie gerne. Die Frühdigkeit. Und ich hoffe, ihr mögt sie jetzt auch ein wenig.
    Sie hat es verdient.
     
    Euer Martin
    Martin Glashauser - Redaktion
    Über Martin Glashauser - Redaktion (148 Artikel)
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