Weil es gut tut.
  • 5 Gründe warum Deutschland wirklich das Dschungelcamp schaut

    Dschungel?

    5 Gründe warum Deutschland das Dschungelcamp schautDie Dungay Creek Road im australischen New South Wales liegt entgegen aller Erwartungen gar nicht mitten im Dschungel.

    Viel mehr handelt es sich um offenes Farmland, das sich nur wenige Kilometer von der nächsten Stadt und der Ostküste entfernt befindet.

    Angeblich sind es nur 25m² künstliche Dschungel-Kulisse auf denen sich der wichtigste Teil dieses Areals befindet: Das Dschungelcamp!

    Hier wird eine der erfolgreichsten Sendungen des deutschen TVs gedreht: Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!
    Im Volksmund: „Dschungelcamp“ oder abgekürzt „IBES“ getauft.

    Das Konzept:

    Kennen Sie bereits grob, ob Sie wollen oder nicht.
    Bis zu 12 hinreichend bekannte Gesichter des öffentlichen Lebens werden zusammen in das Dschungelcamp in Australien gesteckt und bis auf wenige Ausnahmen durchgehend gefilmt.

    Dabei müssen Sie um die Gunst der Zuschauer werben, die sie per Telefon regelmäßig aus der Show wählen können. Das enge Zusammenleben verschiedenster Charaktere wird dadurch verschärft, dass in Dschungelprüfungen Nahrung für das jeweilige Team gewonnen werden kann.

    Der letzte Bewohner ist der Sieger und darf sich „Dschungelkönig“ nennen.

    Die Quote ist beeindruckend

    Bis zu 7,87 Mio. Zuschauer und 31,5 % Marktanteil darf RTL mit dem Dschungelcamp feiern.
    Damit platziert sich der Sender als einziger privater regelmäßig in den TOP 10 Einschaltquoten des Jahres. Meistens nur verdrängt von Fußball oder Sport-Großveranstaltungen, sowie Tatort und anderen Krimireihen der Öffentlich-Rechtlichen.

    Aber warum lassen sich Menschen aller Schichten für eine Sendung begeistern, in der mehr oder weniger Prominente mit Ekelprüfungen ihr Essen erstreiten müssen?

     

    5 Gründe warum Deutschland wirklich das Dschungelcamp  kuckt

    1. Professionelle Aufbereitung:

    Die Sendung ist eine einzige High-End Produktion:

    Etwa 2 Mio. € Kosten verschlingt eine einzige Folge, bei der das Treiben der Dschungel-Bewohner cineastisch aufbereitet, mit einem Handlungsstrang versehen und von professionellen Gag-Schreibern mit den richtigen Texten für die Moderation versehen wird.

    Dafür wurde sie 2013 sogar für den Grimme-Preis nominiert.

     

    2. Der Couch-Imperator

    Daumen hoch oder runter. Das Prinzip funktionierte schon bei den Gladiatoren-Kämpfen im alten Rom vor einem Kolosseum, prall gefüllt mit Zuschauern.

    Das Besondere:
    Der heutige TV-Zuschauer schlüpft nicht nur in die Rolle des Publikums, sondern sogar in die des Entscheiders.

    Er darf nicht nur von der sicheren Couch aus die Ekelprüfungen und Mutproben beobachten, sondern ganz nach Sympathie entscheiden, welcher der Darsteller in der nächsten Folge denn nochmal auftreten soll. Ganz wie der Imperator im alten Rom, nur ohne die fatalen Folgen.

    3. Absturz-Theorie

    Die Teilnehmer: Sie waren zumindest – im weitesten Sinne – Stars und sind es jetzt nicht mehr.

    Wer will so etwas aber schon gerne akzeptieren?

    Umso zynischer ist der Titel der Show, und gleichzeitig die Ausstiegs-Formel:
    „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“

    Während die einstigen Stars um ihr Essen kämpfen und Ekel-Prüfungen ablegen müssen, um ihre mediale Präsenz aufrecht zu erhalten – sitzen wir erhaben auf dem Sofa.

    Das steigert in uns das Selbstwertgefühl mit einem Tick Schadenfreude.

     

    4. Mäuschen spielen

    Na klar, wir sind mittendrin in diesem Zeltlager und hören uns all die intimen Geschichten und Geheimnisse an, die RTL und sein Publikum von den Teilnehmern erwartet.

    Fast wie das Belauschen eines Bekannten, von dem wir schon lange erwartet haben, dass er noch eine Leiche im Keller hat.

    Erfahrungsgemäß gibt es bei IBES einige Keller-Leichen zu entdecken die unsere Neugierde befrieden.

     

    5. Das TV-Kollektiv

    Sie werden seltener, die TV-Ereignisse über die wir uns am nächsten morgen in der Arbeit unterhalten können. Heute fragen wir seltener: „Hast du gestern den Film auf RTL gesehen?“ und öfter: „Kennst du Black Mirrors?“

    In Zeiten von individualisiertem Video-Streaming freuen wir uns über ein gemeinsames Erlebnis vor dem Fernseher.

    Etwas, fernab von Tatort und Sportereignissen über das wir lästern, diskutieren und lachen können.

     

    Martin Glashauser - Redaktion
    Über Martin Glashauser - Redaktion (154 Artikel)
    Redakteur, Produzent, Moderator und Musiker aus Leidenschaft.